Showhypnose

Die Showhypnose blickt auf eine lange und bunte Tradition zurück. Gerade in den USA wird diese unterhaltsame Variante der Hypnose auch heute noch intensiv praktiziert: In Las Vegas auf der Großbühne, mit beeindruckenden Licht-, Ton- und Feuereffekten. Oder in vielen Colleges und Highschools zum Abschlussball.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hingegen fristet die Showhypnose eher ein Schattendasein. Es gibt nur wenige Showhypnotiseure, und so gut wie keine hauptberuflich tätigen Künstler. Zudem ist die allgemeine Nachfrage zu gering, um der Showhypnose einen geschmackvollen Rahmen bieten zu können – so finden die wenigen Shows meist erst nach Mitternacht in abseits gelegenen Dorfdiskotheken vor nicht mehr ganz so nüchternem Publikum statt.

Die Showhypnose gerät immer wieder in die Kritik von Psychologen und Ärzten, die den Einsatz der Hypnose zu Unterhaltungszwecken strikt ablehnen. Viele Argumente machen durchaus Sinn, jedoch lässt sich auch über eine differenziertere Betrachungsweise nachdenken:

  • Die Showhypnose arbeitet nur mit Tricks, nie aber mit echter Hypnose
    Falsch! Die meisten Showhypnotiseure liefern unglaublich gute Induktionen ab und können auch tiefere Trancezustände in kürzester Zeit erzielen. Insofern arbeitet fast jeder Showhypnotiseur mit „echter“ Hypnose. Nur ist eben nicht immer die Hypnose allein dafür verantwortlich, dass die Teilnehmer auf der Bühne genau das tun, was der Showhypnotiseur von ihnen verlangt. Der Druck, im Rampenlicht zu stehen, und die Tatsache, von einer scheinbaren Autorität einen Befehl zu bekommen, verbunden mit dem Wunsch, sich nicht zu blamieren, sind natürlich von immensem Vorteil für das Gelingen der Show.Tatsache ist: Der Kritiker wird sich oftmals nur sehr distanziert und voreingenommen mit der Showhypnose beschäftigt haben. Und der Showhypnotiseur liefert nur dann eine gute Show ab, wenn er auch an seine eigene Übermacht glaubt. Beide Parteien sind also nicht wirklich gut dafür geeignet, hier eine zuverlässige Einschätzung über das Wesen der Showhypnose abzuliefern. Vielleicht liegt die Wahrheit ja, wie so oft im Leben, irgendwo in der Mitte?
  • Die Showhypnose zerstört den Ruf der therapeutischen Hypnose
    Ein häufig vorgebrachtes Argument ist, dass die Showhypnose den Ruf der therapeutischen Hypnose kaputt machen würde. Bei so mancher drittklassigen Show mag das durchaus der Fall sein. Jedoch ist auch hier ein Perspektivenwechsel möglich: Eine gute, geschmackvoll dargebotene Show, bei der die Würde der Teilnehmer gewahrt bleibt, kann durchaus Appetit auf mehr machen! Anders ausgedrückt: Wenn ich in einer Hypnoseshow sehe, wie Menschen im Zustand der Trance die wundersamsten Veränderungen
    erfahren, ändert sich womöglich auch gleich mein eigenes Weltbild – ich bekomme Interesse an der Hypnose und finde so meinen Weg zu einem Therapeuten. Einen Weg, den ich ohne die Show vielleicht nie gefunden hätte.Natürlich erzeugt eine Show auch ein etwas verzerrtes Bild von dem, was tatsächlich möglich ist und was nicht. Insofern liegt es jetzt an dem Therapeuten, schon frühzeitig aufzuklären und klar zu machen, wo und wie sich die therapeutische Hypnose von der Bühnenhypnose unterscheidet.
  • Showhypnose ist nicht gleich Showhypnose
    paulmckennaShowhypnose kann und darf man nicht über einen Kamm scheren. Der schlechte Ruf der Showhypnose hat wahrscheinlich viel mehr zu tun mit der schlechten Qualität vieler hiesiger Shows als mit der Tatsache, dass Showhypnose generell schlecht wäre.In England hat Paul McKenna ( Bild rechts) die Showhypnose in den 90er Jahren extrem aufgebaut. In großen Theatern hat er eine beeindruckende Show mit perfekter Choreographie und dem nötigen Quentchen Geschmack geboten – und dabei völlig auf die Erniedrigung oder gar Entwürdigung seiner Hypnotisanden verzichtet. Das Publikum hat es ihm damit gedankt, dass McKenna Ende der 90er Jahre problemlos den Wechsel weg von der Show und hin zur therapeutischen Hypnose vollziehen durfte. Seither hilft er Rauchern, rauchfrei zu werden,
    bietet die hypnotische Alternative zur Diät und ist mit seinen Selbsthilferatgebern zum meistverkauften Non-Fiction Autoren Englands geworden.Man darf davon ausgehen, dass zahlreiche Hypnosepraxen in England ihr Bestehen allein dem komerziellen und publikusmwirksamen Erfolg Paul McKennas verdanken durften, der das Thema Hypnose sowohl spannend als auch unkompliziert präsentiert hat.

    Es gibt zahlreiche Showhypnotiseure, die in McKennas Fußstapfen treten und ihre Shows charmant und würdevoll präsentieren. Allerdings gibt es leider auch das andere Ende der Fahnenstange: Regressionen in die Kindheit auf offener Bühne, bis hin zum kompletten Verlust der eigenen Sprachfähigkeit. Menschen, die sich vor den versammelten Zuschauern fast splitternackt ausziehen. Hypnotiseure, die ihre Teilnehmer auf die peinlichste Art und Weise erniedrigen und entwürdigen – immer mit dem Ziel, von dem überwiegend alkoholisierten Publikum ein paar Lacher zu ernten. Das ist natürlich völlig indiskutabel und sorgt dafür, dass Hypnose immer noch vielerorts mit Argusaugen betrachtet wird. Jedoch sollte man hier nicht die Show, sondern den Darsteller verantwortlich machen.

Showhypnose und Coaching oder Therapie

Die Show hat das Ziel, zu unterhalten. Hierbei wird oftmals mit dramaturgischen Effekten gearbeitet, die aber in einem therapeutischen Setting oder im Einzelcoaching nicht replizierbar sind. Ein Beispiel:

In der Show wird einem Raucher suggeriert, mit jedem Zug an der Zigarette muss er wie ein Löwe brüllen. Der Hypnotisand wird aus der vermeintlichen Trance geweckt, er bekommt eine Zigarette gereicht, und – voilà, nach jedem Zug muss er erst mal lautstark brüllen! Das Publikum tobt vor Vergnügen, der Hypnotisand schaut erstaunt – meist nicht ohne einem leisen Grinsen auf den Lippen.

Auf der Bühne sind solche Effekte spielend einfach zu erzielen. Entweder spielt der Hypnotisand mit, um sich nicht zu blamieren. Oder er ist tatsächlich ausreichend tief in Trance gegangen, so dass die Suggestion für ihn zur Wirklichkeit wird. In beiden Fällen gilt jedoch: Der Hypnotisand hätte (von wenigen Ausnahmen abgesehen) jederzeit die Möglichkeit, sich der Suggestion zu widersetzen. Spätestens dann, wenn die Show vorbei ist und der Showhypnotiseur meilenweit weg ist.

Wäre das jetzt nicht ein probater Weg, um zum Beispiel eine Raucherentwöhnung durchzuführen? Und statt dem Brüllen vielleicht einfach ein leichtes Übelkeitsgefühl an die Zigarette zu ankern? In manchen Fällen funktioniert dies tatsächlich. Diese Methode hätte jedoch zwei enorme Nachteile: Zum Einen funktioniert sie eben nicht für jeden. Zum anderen, und das ist der entscheidende Nachteil, wird der Effekt allerseltenst für immer anhalten. Eine gekonnte und gewinnbringende Hypnosesitzung wird stets so ausgerichtet sein, dass der Klient hinterher etwas besser kann als vorher. Dass er sein Ressourcensprektrum erweitert. Und ganz sicher nicht so, dass er immer noch Rauchen will, dies aber aufgrund einer hypnotisch suggerierten Übelkeit unterlässt. Außerdem: Die ersten Zigaretten haben bei jedem Raucher erstmal Übelkeit ausgelöst, über die man jedoch hinweg geraucht hat. Warum sollte das nicht auch ein zweites Mal noch klappen?

Fazit: Eine gute Show muss gut unterhalten, ganz klar. Als Klient sollten Sie sich allerdings auch darüber im Klaren sein, dass Ihnen ein verantwortungsbewusster Hypnotiseur niemals irgend etwas aufzwingen wird. Manchmal hegt man die Hoffnung, ganz ohne eigenes Zutun ans Ziel zu kommen, ganz nach dem Motto: Wenn der Showhypnotiseur seinen Hypnotisanden dazu bringen konnte, XYZ zu tun, dann kann er mich vielleicht auch genau so „umprogrammieren“? Dieser Weg mag zwar auf den ersten Blick verlocken. Wenn Sie aber dann darüber nachdenken, ob Sie wirklich alle Macht über sich selber einfach so abgeben wollen würden, stellen Sie sehr schnell fest: Eine dauerhafte Lösung kann nur dann stattfinden, wenn man bereit ist, selbst die Verantwortung am Gelingen mitzutragen. Und dafür sind Sie bei gut qualifizierten Hypnocoaches und -therapeuten in den allerbesten Händen.