03
Jul
von Olf Stoiber - Kategorie: Allgemein
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Ich bin wahrlich kein großer Fußballfan. Aber der Magie einer Weltmeisterschaft kann selbst ich mich nicht entziehen. Das Achtfinalspiel habe ich mir in München angeschaut – und Bauklötze gestaunt ob der überragenden Leistung gegen England. 4:1 – wer hätte das gedacht!
Das Viertelfinale musste ich mir dann allerdings in England anschauen. Genauer: In einem typischen Arbeiterpub in Birmingham, West Midlands. Die Stimmung war etwas angespannt. Viele Engländer haben sich mit ihrem Pint fest im Griff vor dem Bildschirm versammelt. Ein paar markige Sprüche, das gehört dazu. Dann: Deutschlands Torhagel gegen Argentinien. Erstes Tor, zweites Tor, drittes Tor … viertes Tor. Argentinien war komplett chancenlos. Damit hätte, allem Optimismus zum Trotze, keiner gerechnet. Und womit ich nicht gerechnet hätte: Nach dem Spiel haben sich die Engländer plötzlich gefreut über den überragenden Sieg der Deutschen! Und hier wurde mir drei Dinge klar.
- Lieber verlieren, weil der andere so gut war – und nicht, weil man selbst so schlecht war
Hätte Deutschland gegen Argentinien schwach gespielt, wäre die Blamage der Engländer größer gewesen. Lieber gegen einen Gegner verlieren, weil der richtig stark ist, als gegen einen schwachen Gegner verlieren und dann einfach nur selbst schlecht zu sein. Ein kleiner Perspektivenwechsel, der die eigene Niederlage deutlich erträglicher macht.
- Der Unterschied zwischen aufrichtiger Freude – und Schadenfreude
Die Pubbesucher haben sich also gefreut. Aber statt “Deutschland – gut gemacht!” kamen Kommentare wie “Argentina, you’re laughing no more now!”. Sprich, man kann sich auch über die Niederlage eines Teams freuen statt über den Sieg des gegnerischen Teams, selbst – oder gerade ! – dann, wenn man eigentlich keinen Bezug zu beiden Teams hat.
- Wie laut du jubelst hängt davon ab, wo du jubelst
Ich geb’s zu: So sehr ich mich auch über die vielen, tollen Tore gefreut habe – so sehr habe ich mir das Jubeln verkniffen. Dies wäre im Pub wahrscheinlich auf wenig Gegenliebe gestoßen.
Wo ich jetzt die Parallelen zum “richtigen” Leben sehe? Kurz und bündig:
- Wenn du verlierst, muss das nicht automatisch heißen, dass du schlecht warst. Vielleicht war dein Gegner (oder die Aufgabe, oder das Projekt) einfach viel stärker, mächtiger, schwerer. Kurz Pause machen, Luft holen, ehrlich mit sich selbst in Gericht gehen – Fehler verdauen – und dann: Mit voller Power weiter!
- Wenn du dich freust – freu dich aus den richtigen Gründen! Sich für etwas freuen ist fast immer gesünder als Schadenfreude.
- Sei am richtigen Platz zur richtigen Zeit, wenn du jubeln willst
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… und in diesem Sinne werde ich Birmingham rechtzeitig am Mittwoch verlassen, um mich am Abend dann – hoffentlich – über den Einzug ins Finale zu freuen.
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Ich bin wahrlich kein großer Fußballfan. Aber der Magie einer Weltmeisterschaft kann selbst ich mich nicht entziehen. Das Achtfinalspiel habe ich mir in München angeschaut – und Bauklötze gestaunt ob der überragenden Leistung gegen England. 4:1 – wer hätte das gedacht! Das Viertelfinale musste ich mir dann allerdings in England anschauen. Genauer: In einem typischen [...]
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